Rund um Montessori,  Sprache

„SPRACHE ist der Schlüssel zur Welt“ – Wissenswertes zum Themenbereich der Sprache, in der Montessori Pädagogik

Gestern waren die „Sinnesmaterialen“ im Vordergrund, heute dreht sich alles um den Themenbereich der „Sprache“. Ich möchte euch einen kleinen Einblick geben, was „Sprache“ für das Kind eigentlich bedeutet, wie sie sich entwickelt, und natürlich auch, welche Materialien und Spielideen es gibt, um mit eurem Kind dazu zu arbeiten. Viel Spaß beim Lesen!

Die Entwicklung der Sprache beim Kind

  • Sprache ist das erste Bildungsmittel, das von den Kindern selbst gewählt wird.
  • Wenn ein Kind in einer Umgebung ohne, oder nur mit wenig Sprache aufwächst, so wird die Sprache auch gar nicht bis wenig erlernt und kann später dann auch nie mehr so erlernt werden, wie es in der sprachsensiblen Phase (0 – 3 Jahre) geschieht.
  • Da Sprache nicht genetisch, also nicht angeboren ist, muss sie erlernt werden -So wie man es erfährt, so erlernt man es auch.
  • Es gibt zwei Gedächtnisse, das vorsprachliche (vor dem anwenden von Sprache) und das nachsprachliche (wenn Sprache angewendet wird). Wenn etwas nicht versprachlicht wurde, so kann es auch nicht angewendet und gespeichert werden.
  • Bereits m Mutterleib erlernt das Kind Sprache:
    Das Leben beginnt im Mutterleib, ohne Sprache. Es passiert jedoch sehr schnell, das Sprache entsteht. In der 4. Schwangerschaftswoche entsteht das limbische System und die Kinder nehmen Lärm, Geräusche und Stimmen deutlich wahr und können schon klar unterscheiden, was nebensächlich ist, und was nicht. Kinder die zweisprachig aufwachsen, können bereits im Mutterleib zwischen den Sprachen unterscheiden, die von den Eltern gesprochen werden (z.B. Mama spricht deutsch und Papa spricht türkisch).
  • Wenn das Kind dann auf die Welt kommt so beginnt es sofort zu kommunizieren, auch wenn es nur Laute sind. Mit 9 Monaten ist das Kind dann fähig, alle Laute, die es auf dieser Welt gibt, zu erlernen (bis zum Ende der sprachsensiblen Phase)
  • Beim Erlernen der Sprache kann das Kind folgende Methoden ihrer Eltern und Bezugspersonen erfahren:
    – Ammensprache (oder auch Babysprache: dudududu, dadada, heitiheiti,…)
    – Stützende Sprache (A – U – T – O – Auto!)
    – Lehrende Sprache (ich spreche normal in Umgangssprache oder Hochsprache mit dem Kind)

Die Entwicklung der Schriftsprache des Kindes

Mit ca. 2 Jahren beginnt das Kind dann allmählich, in die Schriftsprache einzusteigen:

  • Zuerst beginnt das Kind zu kritzeln. Das was die Erwachsenen oft als „Kritzikratzi“ bezeichnen, ist eigentlich ein sehr wichtiger Schritt für das Kind. Es bringt ellipsenförmige Schriftzeichen zu Papier, was eine wichtige Vorübung für das spätere Schreiben ist. Malen von Kreisförmigen Gestalten ist also nichts anderes, als erste Schreibübungen des Kindes.
  • Danach beginnt das Kind Gegenstände zu malen. Auch wenn man die Gegenstände oft noch nicht erkennt, wissen die Kinder ganz genau, was sie da gemalt haben (Das ist ein Auto, das bist du im Garten, das bin ich,…). Das malen von Situationen und Gegenständen wird immer genauer.
  • Wenn das Kind diese Phasen abgeschlossen hat, interessiert es sich enorm für die Welt der Buchstaben. Es befindet sich jetzt in einer sensiblen Phase in der sich die beste Möglichkeit bietet, Schreiben zu erlernen (4 – 6 Jahre). Die Kinder beginnen sich für ihren Namen zu interessieren und beginnen Buchstaben aneinanderzureihen, Buchstaben zusammen zu lauten, Gerade Linien und Rundungen zu konstruieren und Gegenstände zu beschriften.
  • Nach und Nach begreifen die Kinder den Sinn der Buchstaben. Sie wollen Worte schreiben, Worte finden, Worte lesen, anlauten und zusammenlauten,…
  • Als wichtige Vorübung vor den Buchstaben ist jedoch die Geometrie (Geraden, Ellipsen, Diagonalen, Ecken und Kreise konstruieren, Schwungübungen,…)
  • Mit 5 Jahren sind die Kinder normalerweise so weit, den Sinn und den Zusammenhang von Buchstaben und Sätzen zu erfahren und zu verstehen. Bevor die Kinder jedoch zu lesen beginnen, muss das Schreiben gefestigt sein!)
  • Eigentlich ist ein Kind mit 7 Jahren vollständig dazu entwickelt fehlerlos und problemlos schreiben und lesen zu können. Wenn die sensiblen Phasen in der Zeit vor dem Kindergarten und während des Kindergartens genutzt werden, so ist dies kein Problem.
  • Lesen und Schreiben erst in der Schule zu lernen ist niemals so intensiv und einfach zu erlernen wie in der sensiblen Phase von 3 – 6 Jahren, denn da sind die sensiblen Phasen schon vorbei und das Kind muss sich mühsam vorwärtsbewegen, wobei es doch in den sensiblen Phasen mit Leichtigkeit funktionieren kann!

Wie du den Bereich der „Sprache“ sinnvoll umsetzen kannst:

  • Nutze eine gute Sprache mit deinem Kind. Sprich mit deinem Kind ganz normal, und vermeide es, in eine „Ammensprache“ oder verkindlichte Sprache zu wechseln.
  • Lesen ist eine tolle Möglichkeit, die Sprache und das Sprachverständnis der Kinder zu fördern. Bilderbücher sollten ausreichend vorhanden sein und das Kind soll auch freien Zugang dazu haben.
  • Biete deinem Kind ruhig schon rund um das 2. Lebensjahr an, Erfeharungen mit dem Schreiben zu machen. („kritzeln“). je früher desto besser. Du wirst staunen, wie früh dein Kind Interesse daran hat.
  • Ein toller Einstieg in die Welt der Buchstaben sind zB Spiele/Übungen zum Thema „MEIN NAME“
  • weitere Spielideen/Übungen zum Thema Buchstaben findest du auf meinem Instagram-Account, Hier im Blog in der Kategorie „Sprache“ oder du nutzt Pinterest zum stöbern! Einige wenige Ideen jedoch vorab:
  • Eine Fotobox im Spieleregal (betrachten, sprechen, erzählen)
  • Schwungübungen
  • Sandwanne – Buchsaben und Wörter in den Sand schreiben
  • Arbeiten mit einer Schreibmaschine
  • Schreiben auf einer Tafel
  • Das bewegliche Alphabet (hier mein Blogbeitrag dazu)
  • Bild und Wortkarten zum Sprechen/Zuordnen/Lesen/Schreiben (eine große Auswahl dazu findest du in meine Shop, als PDF-Dateien und in fertigen Sets – klick hier)
  • Umgebung beschriften
  • Einschreibformen nach Montessori
  • geometrische Impulse
  • Anlaut-Teppich

„Wo die Sprache endet, endet die Welt“ (Maria Montessori)